Wieder näher an der Nahrung sein – Gesund Essen durch Solidarische Landwirtschaft in Leipzig

Seitdem unzählige Lebensmittelskandale und Berichte über unwürdige Massentierhaltung durch die Medien geistern, hat sich auch beim Leipziger Bürger das Bedürfnis breit gemacht, wieder näher an der Herstellung von Nahrungsmitteln zu sein und auch mehr daran teilzuhaben. Auch die Gefahren, die mit drohenden politischen Veränderungen durch Multilaterale Wirtschaftsabkommen wie CETA und TTIP mitschwingen, tragen dazu bei, dass sich der Trend zur sog. Solidarischen Landwirtschaft (kurz Solawi), vom englischen „Community Supported Agriculture“ (CSA) abgeleitet, auch in Leipzig und Umgebung rasant ausbreitet. Bundesweit werden mittlerweile etwa 65 Solawis gezählt. Dabei wird auf ökologischen Anbau großen Wert gelegt und gleichzeitig Ernährung als kulturelles Leben gepflegt.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, um euch einige Projekte aus Leipzig und Umgebung mit unterschiedlichem Ansatz und Entwicklungsstand vorzustellen. Dabei handelt es sich um zwei echte Solawis („Der Stadtgärtner“, „Gemüsekooperative Rote Beete“) und drei gemeinnützig organisierte Initiativen wie die "Annalinde Leipzig gGmbH", die "Initiative Querbeet" und das Permakulturprojekt "Stadtbauernhof". Ein Leitgedanke, der alle Projekte durchzieht, ist, durch gemeinschaftliche kulturelle und edukative Arbeit (z. B. in Form von Workshops, Kochkursen etc.) das Bewusstsein für Ernährungsthemen zu wecken und zu schärfen. Auch wir wollen an dieser Stelle ansetzen, indem wir kurz über die Projekte berichten und im Hinblick auf das Jahr 2015, wenn die neue Saison beginnt, auch dazu anregen, sich nach Möglichkeit zu beteiligen oder selbst derartige Initiativen zu starten.

 

„Annalinde gGmbH“ (Leipzig-Plagwitz/Lindenau)

© RD

Im Herzen der Leipziger „Westkultur“ liegen die Anbauflächen der „Annalinde gGmbH“. Diese bestehen aus einem Gemeinschaftsgarten (Zschochersche Str. 12) und einer aufwendig reaktivierten Gärtnerei in der Lützner Str. 108. Hier arbeiten etwa 30 hauptsächlich Ehrenamtliche beim Anbau von allerlei Gemüsesorten. Diese werden einmal wöchentlich beim Wochenmarkt im Gemeinschaftsgarten verkauft. Auch legt man hier Wert auf Begegnung und Austausch in Form von Veranstaltungen, Workshops und Gartenarbeitstagen. Initiiert wurde das Projekt 2011 und hat sich dann 2012 in Form eines gemeinnützigen Unternehmens entwickelt, das von verschiedenen Stiftungen und Kooperationspartnern unterstützt wird. Erst vor ein Paar Tagen erhielt Annalinde einen Preis als "UN-Dekade-Projekt" (gemeinsam mit dem Gondwanaland des Leipziger Zoos) für biologische Vielfalt!

http://annalinde-leipzig.de/

 

„Gemüsekooperative Rote Beete e.V.“ (Sehlis bei Taucha)

© RD

Die Solawi in Form eines Vierseitenhofes in der Nähe von Taucha hat eine Anbaufläche von ca. fünf Hektar Land baut Gemüse für etwa 150 Personen an. Die Initiative startete 2010, im Mai 2011 wurde größtenteils über Direktkredite der Hof gekauft und das Land gepachtet. Fünf fest angestellte GärtnerInnen und LandbauerInnen kümmern sich direkt vor Ort täglich um die Pflanzen. Zusätzlich helfen die Mitglieder des Vereins bei der Pflege und Ernte. Dabei wird die Philosophie des Teamwork hochgehalten, eine Hierarchie gibt es nicht. Die Mitglieder zahlen Anfang des Jahres einen selbstgewählten, aber verbindlichen Beitrag, um die Fixkosten zu decken. Nach der Ernte wird das Gemüse über mehrere Verteilstationen an die 180 Mitglieder verteilt, insgesamt werden auf diese Weise zwischen 300 und 400 Personen mit frischem Obst und Gemüse versorgt. Wichtige Leitgedanken sind ökologischer Anbau, solidarische Finanzierung (und Verteilung), gemeinschaftliche Arbeit und „politische Utopie“. Das Ziel ist dabei, sich unabhängig von der Lebensmittelindustrie eigenständig zu versorgen. Derzeit kann die Kooperative keine neuen Mitglieder aufnehmen, wofür um Verständnis gebeten wird. Der Aufruf der Macher lautet „Gründet Solawis!“

www.rotebeete.org

 

„Initiative Querbeet Leipzig“ (Leipzig-Neuschönefeld)

© Querbeet

Der Gemeinschaftsgarten im Leipziger Osten (Neustädter Str. 20) besteht seit 2012. Dieser ist über den Anbau von Gemüse, Kräutern und Blumen hinaus mehr als Nutzgarten zu verstehen. Er ist Teil des soziokulturellen Zentrums „Mühlstrasse 14 e. V.“ Hier wird gesunde Ernährung auch durch gemeinsames Zubereiten von Mahlzeiten und die Herstellung von Brot im eigens gebauten Lehmbackofen gepflegt. Regelmäßig finden Veranstaltungen wie Filmvorführungen und Workshops statt, bei denen in Kooperation mit Schulen und anliegenden Institutionen Interessierten die Auseinandersetzung mit diesen Themen nahe gebracht wird. Im Winter/Frühjahr wird ein Pflanzplan aufgestellt und das Vorhaben für den Rest des Jahres organisiert.

http://www.querbeet-leipzig.de/

 

„Der Stadt-Gärtner“ (Leipzig -Stünz)

© Marian Schwarz/Der Stadt-Gärtner

Im Leipziger Osten, unweit des Gutshofs Mölkau, entstand 2010 das Projekt „Der Stadtgärtner“. Der Initiator Marian Schwarz pachtete das Grundstück an der Ecke Stünzer Weg/Goetheweg neben der Kleingartenanlage „Stünz“, um die brach liegende Fläche für Ackerbau bewirtschaftbar zu machen. Anfangs versorgte er fünf Personen, Stück für Stück vergrößerte sich das Projekt, so dass heute in etwa 50 Personen über den Anbau versorgt werden. Dies erfolgt über eine Mitgliedschaft mit einem Monatsbeitrag, über den die Arbeit des Betriebs gesichert wird. Der Hof, der als Einzelunternehmen geführt wird, hat heute drei Festangestellte, die nach dem Prinzip „Erdölfreier Anbau“ in Vollzeit arbeiten. Man macht alles in akribischer Handarbeit nach den Prinzipien des biologischen dynamischen Landbaus. Gelegentlich erfolgt der Aufruf zu speziellen Aktionen, in denen die Mitglieder sich auch aktiv an Pflege und Ernte beteiligen. Interessenten können Kontakt zum Initiator (siehe Internetpräsenz des Projekts) aufnehmen, um sich in eine Warteliste eintragen zu lassen (dies in Hinblick auf die Saison 2015).

http://stadt-gaertner.de/index.html

 

„Stadtbauernhof Leipzig“ (Leipzig-Leutzsch)

© Degrowth/Stadtbauernhof

Einem Projekt, das noch in den Startlöchern steht, möchten wir genau deshalb zum Schluss noch besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Es geht um den „Stadtbauernhof“ in Leipzig. Andreas Feilhaber ist der Initiator und Betreiber des Gasthauses im Kleingartenverein „Vorwärts e. V.“ im Leutzscher Holz (direkt neben dem Alfred-Kunze-Sportpark). Er plant für die Saison 2015, das frisch angepachtete 1,1 Hektar große Grundstück in der Nähe  zu bewirtschaften. Er verfolgt die Philosophie der „Permakultur“, ein Prinzip, das auf Nachhaltigkeit sowohl im ökologischen als auch im sozialen und ökonomischen Bereich setzt. Dazu gehören dann im Konkreten auch der Betrieb einer Imkerei und die Bewirtschaftung eines Teichs. Auch die Herstellung eigener Produkte mit der Philosophie „Die Umgebung schmeckt“ (z. B. ein eigener Fichtensprossensirup) ist Teil des Projekts. Damit das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann, wird auf der Homepage zur Aktion „100x100“ aufgerufen. Ziel ist es, 100 Personen für eine Beteiligung durch eine Spende in Höhe von 100€ zu gewinnen, was mit einer Art „Wertgutschein“ in vom Spender freiwillig zu bestimmender Größe ausgeglichen werden soll (z. B. durch Anteil an der Ernte oder den hergestellten Produkten). Auch für aktive Beteiligung an dem Projekt insgesamt sind Interessenten herzlich eingeladen.

http://www.stadtbauernhof-leipzig.de/

 Impressionen

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Vielen Lieben Dank an alle Beteiligten für die tollen Gespräche und das Zur-Verfügung-Stellen des Bildmaterials!

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