Zu Besuch auf der Internationalen Grünen Woche – Ein Tag zwischen Tradition, Kulinaria und Protest

Die Internationale Grüne Woche fand dieses Jahr zum 80. Male statt. Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts treffen sich Landwirte regelmäßig in Berlin, um sich auszutauschen und ihre Waren feilzubieten. Seit 1926 tun sie dies auf einer eigenen Messe. Doch nicht nur Landwirtschaftliches bekommen die Gäste aus nah und fern zu sehen, sondern auch das Neueste aus Ernährungswirtschaft und Gartenbau.

Internationale kulinarische Köstlichkeiten

In den Hallen unter dem Berliner Funkturm waren am Eröffnungstag der 80. Internationalen Grünen Woche viele Menschen unterwegs. Einer davon war ich. Meine Tour über das Messegelände begann ich am Osteingang. Als Erstes führte mich mein Weg im Uhrzeigersinn zu den Hallen 8 bis 7, denn dort wurden Köstlichkeiten aus Ländern vorgestellt, die mich sehr interessieren.

Portugal befindet sich geographisch zwar an der Westküste Europas, auf der Grünen Woche jedoch lag das Land direkt zwischen Irland und Norwegen. Es war kurz vor Mittag, also nutzte ich die Gelegenheit, eine herzhafte Pastete mit Stockfisch zu probieren. Dieser verdankt seinen Namen übrigens der Art und Weise, wie er haltbar gemacht wird. Nachdem Kopf und Innereien entfernt wurden, werden jeweils zwei Fische an den Schwanzflossen zusammengebunden und anschließend zum Trocknen über ein hölzernes Gestell (Stockgestell) gehangen.

Tee
© Bianca Rantzsch: nepalesischer Tee

Als Nachtisch gönnte ich mir eine Pastel de Nata, eine kleine Blätterteigtorte. Pastéis de Nata sind gefüllt mit einer Creme aus Ei, Zucker und Sahne – also eher eine kleine gesundheitliche Sünde. Die portugiesische Küche ist bekannt für ihre Süße, und Pastéis de Nata sind ein gutes und beliebtes Beispiel dafür. Am besten schmecken die Pastéis, so verriet man mir am Stand, wenn ihre Creme dunkler ist, denn dann sei der Zucker schön karamellisiert. Hmmm, stimmt.

Auf meinem weiteren Weg durch die Hallen entdeckte ich einen Stand mit Tee aus Nepal. Oh, wie die kleinen Säckchen dufteten! Am liebsten hätte ich, die ich Tee sehr liebe, von jeder Sorte ein Säckchen mitgenommen, auch wenn ich dann vielleicht einen zusätzlichen Koffer für die Heimreise gebraucht hätte. Zum Glück gab es ein Probierpaket für zu Hause, in dem von jeder Sorte genügend Tee für eine große Kanne enthalten ist. Nun kann ich also meine Tage mit nepalesischem Tee zum Frühstück beginnen. Welcher wohl mein neuer Lieblingstee werden wird?


Bio – zwischen Nachhaltigkeit und Stil

Stroh-Halme
© Bianca Rantzsch: Stroh-Halme

Auf meiner Tour durch die Messehallen gelangte ich auch in die Bio-Halle. Unter dem Motto „Mehr Platz für Leben“ konnten interessierte Besucher erfahren, wie Hühner artgerecht in beweglichen Ställen gehalten werden können, wie Brot aus Sauerkraut schmeckt (Lecker!) oder wie regionale Bio-Lebensmittel direkt vom Bauernhof auf den heimischen Küchentisch gelangen.

Bemerkenswert fand ich in dieser Halle einen Stand mit Strohhalmen, die diesen Namen auch wirklich verdienen. Geht man in den Laden, um Strohhalme für eine Party zu kaufen, sind diese aus buntem Plaste. Mit einem Stroh-Halm hat das nur noch der Form nach etwas zu tun. Die Strohhalme dieses Standes jedoch waren tatsächlich aus Stroh. Dieses wird nach der Erntezeit von Hand geschnitten, später gereinigt und getrocknet, wie ich im Gespräch erfuhr. Die fertigen Strohhalme sind somit eine ökologische Alternative zum bunten Plastetrinkröhrchen. Und einen gewissen Stil hat es doch auch, so zu trinken, wie Oma und Opa es früher getan haben.


Gemischte Gefühle

Kräuter- und Gewürzmarkt
© Bianca Rantzsch: Kräuter- und Gewürzmarkt

Das nächste Ziel meiner Tour war der Kräuter- und Gewürzmarkt in Halle 6. Als leidenschaftliche Köchin wollte ich mir hier neue geschmackvolle und gesunde Inspirationen für meine kreative Küche holen. Doch ich wurde enttäuscht. Die Gewürze und Kräuter waren in Plastetüten verpackt – nichts zum Schnuppern oder Probieren, dafür alles von einem Hersteller. Einen Kräuter- und Gewürzmarkt hatte ich mir anders vorgestellt.

So schaute ich mich anderweitig in der Halle um und entdeckte weitere kulinarische Leckereien. Hunger hatte ich noch keinen wieder. Doch ein wohlig anregender Duft ließ mich stehen bleiben: Mokka, mit Kardamom gewürzt. Hmmm, wie der schmeckte! Eine kleine Wohltat im Getümmel dieser Messe. Für später kaufte ich mir noch ein paar arabische Süßspeisen mit Pistazien. Diese gelten im Ayurveda und in der traditionellen chinesischen Medizin als magenfreundlich, wärmend und aufgrund ihres hohen Fettgehalts als gesund im Hinblick auf die Blutfettwerte.

Ochse
© Bianca Rantzsch: Ochse = Mittagessen?

Mein Weg hatte mich mittlerweile schon gut über die Hälfte des Messegeländes geführt, als ich schließlich in der Tierhalle (Halle 25) angelangte. Im südlichen Teil der Halle war ein Reitparcours aufgebaut, in dem gerade ein Pferd seine Runden drehte. Im nördlichen Teil befanden sich mehrere Gehege, unter anderem mit Ziegen und Ochsen. Und mittendrin, auf dem Weg zum nördlichen Hallenausgang, ein Grillstand, auf dem sich das traurige Gerippe eines Ochsen in der Hitze drehte. Der Anblick bedrückte mich und machte mich nachdenklich. War der Ochse, den ich gerade nur wenige Meter von diesem Grillstand entfernt gestreichelt hatte, der nächste Kandidat für den Grill, das Mittagessen von morgen? Makaber.


Neuerungen in der EU und geschützte sächsische Kulinarien

Sachsen
© Bianca Rantzsch: Sächsische Kulinarien

Seit dem 13.12.2014 wird die Kennzeichnung von Lebensmitteln europaweit durch die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 geregelt – die neue Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV). Darüber wollte ich mich auf der Grünen Woche informieren. Am entsprechenden Stand konnte ich zwar ein Quiz zur Lebensmittelkennzeichnung beantworten, die Verordnung selbst gab es jedoch nur online.

Nach mehreren Stunden voller Eindrücke, Geräusche, Düfte, Geschmäcker, Menschen und Informationen gelangte ich in die Halle 21, in der sich unter anderem auch der Freistaat Sachsen präsentierte. Ich entdeckte mein Lieblingsbier und Pasta sowie Käse aus meiner Heimat. Mittlerweile war es Zeit für ein kleines Abendbrot geworden und so biss ich genüsslich in den gerade erstandenen Ziegenkäse und lauschte dem Bühnenprogramm. Nebenbei erfuhr ich, dass einige der sächsischen Kulinarien nicht nur national geschützt sind, sondern auch auf europäischer Ebene.


Ausklang und Blick über den Tellerrand

Drehorgel
© Bianca Rantzsch: Drehorgelmusik

Als ich die Messe schließlich verließ, umfingen mich draußen nicht nur Temperaturen von unter null Grad, sondern auch frisch und luftig der schunkelnde Klang einer Drehorgel aus der Unterführung beim Zentralen Omnibusbahnhof – für mich ein schöner Abschluss dieses langen Tages auf der Grünen Woche.

In der U-Bahn zurück zu meiner Gastfamilie erfuhr ich davon, dass Umwelt- und Tierschützer das Messegelände gestürmt hatten, um ihrem Unmut über die Massentierhaltung und deren Folgen Ausdruck zu verleihen. Bereits am Zugang zur Unterführung hatte ich einen Aufkleber gesehen, der zur Demaskierung der Grünen Woche aufrief. Auch wenn auf diesem nicht viel mehr als eine Internetadresse stand, so erinnerte er mich doch daran, die Grüne Woche nicht nur im positiven Licht des Austausches zu sehen, sondern einmal mehr kritisch zu betrachten und zu hinterfragen, was wie und woher auf meinem eigenen Teller landet. Schaust auch du über deinen Tellerrand hinaus?


Impressionen

  • GrueneWoche01
  • GrueneWoche02
  • GrueneWoche04
  • GrueneWoche06
  • GrueneWoche09
  • GrueneWoche11
  • GrueneWoche12
  • GrueneWoche15
  • GrueneWoche16
  • GrueneWoche17
  • GrueneWoche18
  • GrueneWoche19
  • GrueneWoche22
  • GrueneWoche23
  • GrueneWoche24
  • GrueneWoche25
  • GrueneWoche26
  • GrueneWoche27
  • GrueneWoche29
  • GrueneWoche30

Simple Image Gallery Extended

 

Zum Weiterlesen

Verordnung (EU) Nr. 1169/2011: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=uriserv:OJ.L_.2011.304.01.0018.01.DEU

Berichtigung der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32011R1169R%2806%29&qid=1422137895906&from=DE

Verbraucherzentrale Bundesverband e. V./Lebensmittelklarheit über die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011: http://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/die-neue-lebensmittelinformationsverordnung

rbb über den Protest der Tierschützer am Eröffnungstag der Internationalen Grünen Woche: http://www.rbb-online.de/wirtschaft/thema/2014/Gruene-Woche-2014/beitraege/tierschuetzer-protestieren-auf-gruener-woche.html

Euronews zur Demonstration für gesunde Ernährung und artgerechte Tierhaltung: https://www.youtube.com/watch?v=QHxOOWeeccY

Internationale Grüne Woche: http://www.gruenewoche.de/

Grüne Woche demaskieren: http://gruene-woche-demaskieren.de/

 

Weitere Beiträge zum gesunden Leben

  • facebook
  • RSS